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Individuelle Förderplanung in der BenachteiligtenförderungPia Schnadt |
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| Inhalt: Auslöser Qualitätsdiskussion Die bisherige Praxis Individuelle Förderplanung - ein innovatives Konzept Fünf wesentliche Elemente charakterisieren das Verfahren Die Verfahrensschritte Praktische Erfahrungen mit dem Verfahren Literaturhinweis Bestellung im Verlags-Shop Katalog: "1.2 Sozialpädagogik in der beruflichen Bildung" Ausgelöst durch die Qualitätsdiskussion der jüngeren Zeit rückt das Thema Förderplanung wieder verstärkt in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Im Entscheidungsleitfaden zur fachlichen Qualitätsbeurteilung bei der Vergabe von Maßnahmen in der Benachteiligtenförderung der Bundesanstalt für Arbeit (Dienstblatt-Runderlass 50/99) ist Individuelle Förderplanung als einer von 15 Qualitätsbereichen benannt. Viele Bildungsträger und -einrichtungen suchen daher nach Orientierungsmöglichkeiten, wie sie ihre Förderplanarbeit praktisch umsetzen sollen. Unter dieser Voraussetzung scheint es sinnvoll, bestehende Konzepte zur Arbeit mit dem
Förderplan einer grundsätzlichen Revision zu unterziehen. Vor diesem Hintergrund hat
hiba gmbh gemeinsam mit Expert(inn)en aus dem Arbeitsfeld der Benachteiligtenförderung
ein Konzept entwickelt, in dem die individuelle Förderplanung als zentrales
Qualitätsinstrument neu fundiert wurde. Das Ergebnis dieser Neubestimmung hat die
hiba-Projektgruppe Förderplanung in einer Handreichung vorgelegt (1). Es basiert auf
einer Workshop- und Seminarreihe, in deren Verlauf das Konzept der individuellen
Förderplanung inhaltlich erarbeitet wurde. Im weiteren Verlauf wurde es im Rahmen der
hiba-Praxisbegleitung mit sechs Trägern der Benachteiligtenförderung auf seine
Praktikabilität hin exemplarisch erprobt. Entsprechend seiner hervorgehobenen Bedeutung im Rahmen des Förderkonzeptes sind im Laufe der Zeit genauere Beschreibungen zum Förderplan entstanden. Üblicherweise ging (und geht) das Konzept in seinen grundlegenden Elementen von einer kreis- oder stufenförmig angeordneten Schrittfolge aus, in denen ein "Förderplan" erarbeitet und konsequent in die Praxis umgesetzt werden soll. Diese kreis- oder stufenförmige Abfolge der einzelnen Prozesselemente mag mit ein Grund dafür sein, dass den bisher vorliegenden allgemeinen Beschreibungen wie auch den Umsetzungsvorschlägen zur Förderplanung eine gewisse mechanistische Vorstellung innewohnt. Denn: Generell wird eine Förderplanung dann verzweigter und komplexer werden, wenn ihr Gegenstand allgemeiner formuliert oder ihr Zeitrahmen weiter gefasst ist. Ein ganz konkretes Ziel, das in einem relativ kurzen Zeitraum erreicht werden soll, wird sich eher in einem geradlinigen Prozess ansteuern lassen als ein vielschichtiges oder langfristiges Förderziel. Bei letzterem wird der Prozess modifiziert verlaufen und vielfältige Verzweigungen und Rückkopplungsschleifen bilden. Da die Praxis der Förderung in abH und BüE mitunter einen nicht ganz geradlinigen Verlauf nimmt, muss ein pädagogischer Prozess wie die Förderplanung auch in der Lage sein, diese Umwege oder Schleifen abzubilden. Eine mechanistische Vorstellung von Förderplanung nimmt die Projektgruppe Förderplanung auch dort wahr, wo der Diagnostik der größte Stellenwert eingeräumt wird, denn sie steht an erster Stelle sowohl in zeitlicher Hinsicht (als erster Schritt) als auch im Hinblick auf die Bedeutung dieses Schritts. Diagnostik hat hier die Funktion, zuerst einmal Informationen über den oder die Auszubildende(n) aufzunehmen und auszuwerten; auf dieser Grundlage sollen sodann der Handlungsbedarf für eine Veränderungsaufgabe festgestellt und entsprechende Ziele formuliert werden, die mit dem bzw. der Auszubildenden anzustreben sind. Es ist die Überzeugung (oder wenn man so will: der Glaube) der Projektgruppe, dass auf Vorrat zusammengetragene Informationen, auch wenn sie noch so umfassend und präzise sein mögen, die Qualität der Förderung einzelner Auszubildender nicht unbedingt steigern müssen. Viel wichtiger ist es uns, dass die PädagogInnen sich zuerst grundsätzlich darüber klar werden müssen, warum ein »Förderplan« entwickelt und was damit bezweckt werden soll. Erst dann kann eine problembezogene Informationssammlung erfolgen und die Förderplanung in eine Erfolg versprechende Richtung gelenkt werden. Damit soll hier nicht in Abrede gestellt werden, dass das Sammeln von Informationen und
das Erstellen von Diagnosen und Befunden für die pädagogische Arbeit von nicht zu
unterschätzender Bedeutung sind. Pädagogische Diagnostik soll konkrete Informationen
für pädagogisches Handeln liefern, um so geeignete pädagogische Maßnahmen und
Interventionen sowie sinnvolle Förderangebote auswählen zu können. Die diagnostische
Aufgabe besteht jedoch nicht darin, für das pädagogische Handeln geeignete Ziele zu
setzen, sondern die Voraussetzungen aufzudecken, die man in das eigene pädagogische
Handeln einbeziehen muss, wenn man Ziele erreichen will. Individuelle Förderplanung - ein innovatives Konzept Ausgangspunkt der Überlegungen der Projektgruppe war die Beobachtung, dass individueller Förderplanung viele unterschiedliche Auslöser zu Grunde liegen können. Sie kann sich an der Struktur einer Ausbildungsmaßnahme orientieren, d. h. an Maßnahmeeintritten, dem Beginn eines neuen Ausbildungsabschnittes, Prüfungsvorbereitungszeiten, Vorbereitung von Betriebspraktika etc. Sie kann aber auch quer zu den Ausbildungsphasen nutzbringend angewandt werden, nämlich dann, wenn sich im Ausbildungsverlauf spezielle Anlässe für einen Prozess der Förderplanung ergeben. Solche Anlässe stellen immer einen besonderen pädagogischen Handlungsbedarf dar. Dieser kann sehr unterschiedlicher Art sein. Er kann beispielsweise darin liegen, dass
Nicht nur die Anlässe oder Auslöser der Förderplanung sind verschieden, vielmehr muss individuelle Förderplanung auch
Primäres Anliegen der Entwicklungsarbeit war daher, ein Verfahren zur Förderplanung
zu entwickeln, mittels dessen Förderplanung unabhängig von den konkreten Situationen
ihrer Anwendung (Zeitpunkt, Anlass, Dauer, Zielsetzungen, Inhalte, Zahl der Beteiligten)
sinnvoll eingesetzt werden kann. Im Mittelpunkt dieses Verfahrens steht die Entwicklung
pädagogischer Zielsetzungen und deren Realisierung mit Hilfe pädagogischer Angebote und
Interventionen. Fünf wesentliche Elemente charakterisieren das Verfahren
1. Den individuellen Förderprozess einleiten
2. Den/die Azubi einbeziehen
3. (Soweit möglich) Gemeinsame Zielsetzungen entwickeln
4. Mögliche Hindernisse und Unterstützungsfaktoren erkennen
5. (Soweit möglich) Gemeinsame Entscheidungen über Maßnahmen treffen
6. Die Umsetzung der Maßnahmen beobachten und reflektieren
7. Die Zielerreichung mit dem/der Azubi einschätzen
8. Prozess und Ergebnisse im Team reflektieren
9. Diesen individuellen Förderprozess beenden
Der Zweck dieses Verfahrens ist es dabei, die Planung und Umsetzung der individuellen Förderprozesse in eine geordnete Schrittfolge zu bringen. Das Verfahren beschreibt daher vor allem einen systematischen Ablauf, wie die Planung eines Förderprozesses strukturiert werden kann. Bei der Umsetzung des Verfahrens muss jedoch berücksichtigt werden, dass pädagogische Prozesse oftmals anders verlaufen als sie zunächst vorgestellt und geplant wurden. Daher ist dieses Verfahren kein statisches Gebilde, das linear durchlaufen wird. Vielmehr bietet dieses Verfahren die Möglichkeit, an vielen Stellen Schleifen zu bilden, um Veränderungen in der Planung vorzunehmen. Innerhalb des Verfahrens kann daher zu vorangegangenen Schritten zurück- bzw. zu nachfolgenden vorgesprungen werden.
Praktische Erfahrungen mit dem Verfahren Im Laufe der praktischen Erprobung dieses Konzepts im Rahmen der hiba-Praxisbegleitung mit sechs Einrichtungen der Benachteiligtenförderung konnten Einschätzungen und wertvolle Hinweise für die Weiterentwicklung des Konzepts gesammelt werden. Generell wurde das Verfahren von den beteiligten Einrichtungen als hilfreich und praktikabel eingeschätzt. Als Unterstützung der eigenen Praxis wurde dabei insbesondere genannt, dass das Verfahren
Deutlich wurde jedoch auch, dass das Verfahren eine Klärung und Konkretisierung der pädagogischen Zielvorstellungen in der Einrichtung oder im Team voraussetzt. Damit stößt der Einsatz des Verfahrens dort an seine Grenzen, wo innerhalb eines Teams ungeklärte unterschiedliche Wert- und Zielvorstellungen herrschen. Wir betrachten daher den Entwicklungsprozess des Konzepts nicht als abgeschlossen, sondern eher als »work in progress«. Wir verstehen es auch als ein Angebot an die Praxis in der Benachteiligtenförderung, das Konzept in ihren konkreten Bedingungen weiter zu erproben. Über zustimmende wie kritische Rückmeldungen und Erfahrungsberichte, einschließlich konkreter Veränderungsvorschläge freuen wir uns. Pia Schnadt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei hiba (1) Projektgruppe Förderplanung Die Bände können direkt im hiba Verlags-Shop Katalog "Trends in der
Benachteiligtenförderung" bestellt werden. |